„Mama, Lisa bekommt zehn Euro – warum ich nur fünf?“ Kaum eine Frage sorgt in Familien für so viel Zündstoff wie die Taschengeldhöhe. Und kaum eine Frage macht Eltern so unsicher: Gibt man zu wenig, fühlt sich das Kind abgehängt. Gibt man zu viel, verliert das Geld seinen Wert.
Die gute Nachricht: Es gibt eine Orientierung. Und noch eine bessere: Der genaue Betrag ist am Ende gar nicht das Entscheidende.
Wie viel Taschengeld wird empfohlen?
Die bekannteste Orientierung in Deutschland ist die Taschengeldtabelle des Deutschen Jugendinstituts (DJI) – zuletzt 2025 aktualisiert. Das Bundesfamilienministerium veröffentlicht diese Richtwerte auf seinem Familienportal, und auch Jugendämter arbeiten damit.
Die aktuellen Richtwerte (freies Taschengeld, ohne Kleidung und Schulsachen):
| Alter | Empfehlung |
|---|---|
| unter 6 Jahre | 1,00–2,00 €/Woche |
| 6–7 Jahre | 2,00–3,00 €/Woche |
| 8–9 Jahre | 3,00–4,00 €/Woche |
| 10–11 Jahre | 15,00–25,00 €/Monat |
| 12–13 Jahre | 20,00–30,00 €/Monat |
| 14–15 Jahre | 25,00–45,00 €/Monat |
| 16–17 Jahre | 40,00–60,00 €/Monat* |
| ab 18 Jahre | 55,00–75,00 €/Monat* |
*Für Jugendliche, die wirtschaftlich ganz von den Eltern abhängig sind (z. B. Schüler:innen)
Zwei Dinge sind dabei wichtig zu wissen. Erstens: Es gibt in Deutschland kein Gesetz, das Taschengeld vorschreibt – weder die Zahlung noch die Höhe. Der oft zitierte „Taschengeldparagraph“ (§ 110 BGB) regelt nur, dass Kinder mit ihrem eigenen Geld kleine Käufe wirksam abschließen dürfen.
Zweitens: Die Tabelle ist ein Korridor, keine Vorgabe. Familieneinkommen, Anzahl der Kinder und regionale Lebenshaltungskosten spielen genauso eine Rolle. Auch mit kleinen Beträgen lernt ein Kind den Umgang mit Geld.
Was sagt die Forschung?
Der eigentliche Wert des Taschengelds liegt nicht im Betrag, sondern im Übungsfeld. Kinder lernen mit eigenen Mitteln, dass Geld endlich ist, dass Entscheidungen Konsequenzen haben und dass sich Warten manchmal lohnt – und dass Geld vor allem ein Werkzeug ist, sich Träume und Wünsche zu erfüllen.
Die Zahlen zeigen auch, wie normal Taschengeld im Alltag ist: Bei den Fünfjährigen bekommt es etwa jedes fünfte Kind, bei den Zehnjährigen rund drei Viertel und bei den Fünfzehnjährigen bereits neun von zehn.
Und das DJI schlägt eine Trennung vor, die im Alltag viel Streit erspart: Taschengeld ist für persönliche Wünsche – Süßigkeiten, Kino, Sammelkarten. Budgetgeld kommt ab etwa zwölf Jahren zusätzlich dazu und deckt notwendige Ausgaben wie Kleidung oder Handy. Wer beides vermischt, riskiert, dass am Monatsende die Winterjacke gegen ein Computerspiel verloren hat.
Kann man zu viel Taschengeld geben?
Ja. Ein zu hoher Betrag nimmt dem Taschengeld genau das, was es wertvoll macht: die Notwendigkeit, sich zu entscheiden. Wer sich alles sofort leisten kann, muss nie abwägen, nie sparen, nie priorisieren. Der Lerneffekt verpufft.
Dazu kommt: Zu große Summen können Kinder schlicht überfordern. Ein Achtjähriger mit 50 Euro in der Hand trifft keine reiferen Entscheidungen – er trifft nur teurere Fehlentscheidungen.
Kann man zu wenig geben?
Auch das. Ist der Betrag so klein, dass er für nichts reicht, gibt es nichts zu entscheiden. Sparen ergibt keinen Sinn, wenn das Sparziel Jahre entfernt liegt. Das Kind lernt dann vor allem eins: dass Geld etwas ist, worüber andere bestimmen.
Ein guter Test: Kann sich dein Kind von seinem Taschengeld in überschaubarer Zeit einen echten altersgemäßen Wunsch erfüllen – oder für einen etwas größeren sparen? Wenn ja, stimmt die Größenordnung.
Taschengeld und Inflation
Ein Punkt, den viele Familien übersehen: Ein Betrag, der vor drei Jahren passend war, ist es heute womöglich nicht mehr. Genau deshalb aktualisiert auch das DJI seine Empfehlungen in regelmäßigen Abständen – die aktuelle Expertise stammt von 2025.
Für euch heißt das: Prüft die Taschengeldhöhe einmal im Jahr. Ein fester Termin – zum Beispiel zum Geburtstag oder Schuljahresbeginn – nimmt die Diskussion aus dem Alltag heraus. Und ganz nebenbei ist das ein hervorragender Anlass, mit älteren Kindern über Inflation zu sprechen: „Warum kostet das Eis heute mehr als letztes Jahr?“ ist eine der besten Finanzlektionen überhaupt.
Wichtiger als der Betrag: Verlässlichkeit
Wenn du aus diesem Artikel nur eine Sache mitnimmst, dann diese: Taschengeld muss pünktlich, regelmäßig und verlässlich kommen.
Nicht „wenn ich dran denke“. Nicht „wenn gerade Kleingeld da ist“. Sondern immer am selben Tag, in gleicher Höhe. Denn genau daraus entsteht Planbarkeit – und Planbarkeit ist die Voraussetzung dafür, dass ein Kind überhaupt einteilen lernt.
Kleine Kinder bis etwa neun Jahre bekommen es deshalb besser wöchentlich: Ein ganzer Monat ist ein Zeitraum, den sie noch schwer überblicken können. Ab etwa zehn Jahren funktioniert die monatliche Auszahlung – und wird zur echten Übung im Einteilen.
Genauso wichtig: Nicht zwischendurch nachschießen. Ist das Geld vor Monatsende weg, gehört das Warten zur Lektion. Sprich mit deinem Kind darüber, wie es beim nächsten Mal besser planen kann – statt den Betrag aufzustocken.
Freier Entscheidungsspielraum – auch bei „Unsinn“
Taschengeld ist nur dann ein Lernfeld, wenn dein Kind wirklich frei darüber entscheiden darf. Das schließt Entscheidungen ein, die du selbst nie treffen würdest: die dritte Packung Sammelkarten, das Spielzeug, das nach zwei Tagen kaputt ist.
Diese Fehlkäufe sind kein Scheitern – sie sind der Lernstoff. Ein Fehlgriff für vier Euro mit neun ist unendlich viel günstiger als ein Fehlgriff für vierhundert Euro mit neunzehn. Deine Rolle ist nicht, den Kauf zu verhindern, sondern hinterher das Gespräch anzubieten: „War’s das wert? Würdest du wieder so entscheiden?“
Die Taschengeldvereinbarung
Viele Konflikte lassen sich vermeiden, wenn ihr die Spielregeln einmal gemeinsam festhaltet – gern schriftlich am Kühlschrank oder in der culah App.
Hineingehören:
- Betrag und Auszahlungstag
- Rhythmus (wöchentlich oder monatlich)
- Wofür das Taschengeld gedacht ist – und was weiterhin die Eltern zahlen
- Wann der Betrag überprüft wird (z. B. jährlich zum Geburtstag)
Wichtig ist die gemeinsame Erarbeitung: Wer mitverhandelt hat, hält sich eher an die Abmachung. Und ganz nebenbei ist das eine erste Erfahrung mit Verhandlung und Vertrag.
Belohnung, Aufgaben, Noten – die heikle Abgrenzung
Hier gehen die Meinungen in Familien am weitesten auseinander. Die Fachwelt ist sich dagegen ziemlich einig:
Taschengeld ist kein Lohn und keine Belohnung. Es sollte unabhängig von Verhalten und Leistung fließen. Wird es gekürzt, weil das Zimmer unaufgeräumt ist, oder erhöht, weil das Kind „lieb war“, verliert es seine Funktion als verlässliches Übungsfeld – und wird zum Druckmittel.
Selbstverständliche Hilfe nicht vergüten. Tisch decken, das eigene Zimmer aufräumen, den Müll rausbringen: Das sind Beiträge zum Familienleben, keine Dienstleistungen. Wer sie bezahlt, riskiert die Rückfrage „Was krieg ich dafür?“ – und zwar bald bei allem.
Extra-Aufgaben sind eine andere Sache. Etwas, das klar über den normalen Beitrag hinausgeht – Auto waschen, im Garten helfen, den Dachboden ausmisten, Nachhilfe geben oder Babysitting – darf durchaus extra vergütet werden. Wichtig ist nur die saubere Trennung: Das ist ein zusätzlicher Verdienst, kein Ersatz fürs Taschengeld, und er wird vorher vereinbart.
Und Geld für gute Noten? Davon raten Fachleute überwiegend ab. Die Gründe sind einleuchtend: Es verschiebt die Motivation von innen nach außen – gelernt wird für die Prämie, nicht aus Interesse. Kinder, die sich schwerer tun, werden strukturell benachteiligt, obwohl sie vielleicht am meisten arbeiten. Und was passiert eigentlich beim nächsten Zeugnis, wenn’s schlechter läuft?
Wenn du Erfolge trotzdem würdigen möchtest: Feiert die Anstrengung statt der Noten – mit gemeinsamer Zeit, einem Ausflug, einem selbstgewählten Familienabend. Das wirkt nachhaltiger als ein Schein im Zeugnisumschlag.
→ Mehr dazu, welche Denkfehler rund ums Taschengeld sonst noch kursieren: Taschengeld ist kein Mini-Gehalt – 5 Mythen und was Kinder wirklich daraus lernen
Praxis: Deine Checkliste
- Orientiere dich an der DJI-Tabelle – aber passe den Betrag an eure finanzielle Situation an.
- Leg einen festen Auszahlungstag fest und halte ihn ein, auch wenn’s mal unpassend ist.
- Bis 9 Jahre wöchentlich, ab 10 monatlich auszahlen.
- Halte die Regeln gemeinsam schriftlich fest.
- Prüfe den Betrag einmal jährlich, mit Blick auf Alter und gestiegene Preise.
- Halte Taschengeld frei von Noten und Verhalten – und trenne Extra-Jobs klar davon ab.
Fazit
Die perfekte Taschengeldhöhe gibt es nicht – wohl aber einen guten Korridor und ein paar Prinzipien, die wirklich zählen. Am Ende lernt dein Kind nicht daraus, wie viel es bekommt, sondern daraus, dass es sich darauf verlassen kann und selbst entscheiden darf.
Und keine Sorge: Du musst das nicht perfekt machen. Ein fester Tag, ein fairer Betrag, ein offenes Gespräch – das ist schon der größte Teil.
Mit culah könnt ihr Taschengeld, Sparziele und Ausgaben gemeinsam im Blick behalten – transparent für dich, selbstbestimmt für dein Kind. Eure Taschengeldvereinbarung ist direkt in der App integriert – jederzeit abrufbar für alle.

