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„Neue Euro-Scheine? – Warum drucken die überhaupt noch Geldscheine?“

Diese Frage hat mir mein Sohn gestellt, als wir uns gemeinsam die Entwürfe für die neuen Euro-Scheine angeschaut haben. Und sie ist berechtigt: Er erlebt heute nur noch selten, wie Geld tatsächlich physisch den Besitzer wechselt. Bezahlt wird mit Karte, mit dem Handy, mit der Uhr.

Die ehrliche Antwort lautet: Weil Bargeld noch längst nicht weg ist – und weil es für Kinder etwas leistet, das kein digitales Zahlungsmittel ersetzen kann.

Der Anlass

Am 23. Juli 2026 hat die EZB zehn Gestaltungsentwürfe für die nächste Euro-Banknotenserie veröffentlicht – und alle in Europa dürfen bis zum 21. September 2026 darüber abstimmen. Zur Wahl stehen zwei Themen:

  • Europäische Kultur – Porträts prägender Persönlichkeiten, dazu die Orte, an denen Kultur heute stattfindet: Schulen, Bibliotheken, Museen, öffentliche Plätze.
  • Flüsse und Vögel – eine Reise von der Bergquelle bis zur Meeresmündung, mit europäischen Vogelarten in ihren Lebensräumen.

Die Entscheidung fällt der EZB-Rat voraussichtlich Ende 2026.

Warum Bargeld immer noch zählt

Mein Sohn beobachtet richtig: 2025 wurden in Deutschland zum ersten Mal mehr Alltagseinkäufe bargeldlos bezahlt als mit Schein und Münze – 55 zu 45 Prozent. Und trotzdem ist Bargeld weiterhin das am häufigsten genutzte einzelne Zahlungsmittel: Die Debitkarte kommt auf 26 Prozent, mobile Verfahren auf 10 Prozent. An der Ladenkasse zahlen die Menschen also nach wie vor am liebsten bar.* Bargeld funktioniert ohne Strom, ohne Netz, ohne Konto. Es ist das einzige Zahlungsmittel, das niemand sperren kann und bei dem nicht jeder Kauf irgendwo protokolliert wird. Und es ist das einzige, das allen zugänglich ist – auch Menschen ohne Smartphone oder Bankverbindung.

In der Finanzerziehung ist es sogar konkurrenzlos. Für kleine Kinder ist Geld erst dann real, wenn sie es anfassen können. Ein Schein, der über die Ladentheke geht, ist danach sichtbar weg – diese Erfahrung ist die Grundlage für jedes spätere Verständnis von Budget. Beim Kartenzahlen fehlt genau der Teil, aus dem Kinder lernen: Es piept, und die Ware gehört einem. Woher das Geld kam und dass es endlich ist, bleibt unsichtbar.

Was ein Geldschein noch alles ist

Ein Geldschein ist für Kinder oft das erste Stück Staat, das sie in der Hand halten. Deshalb ist das Design nicht Dekoration, sondern Aussage – es erfüllt gleich drei Aufgaben:

Es schützt. Wasserzeichen, Hologramm, Sicherheitsfaden, fühlbares Relief – Banknoten werden vor allem deshalb erneuert, um Fälschern voraus zu bleiben. Die neuen Scheine sollen zusätzlich barrierefreier und nachhaltiger werden.

Es erzählt. Wer oder was auf einem Schein abgebildet ist, sagt, worauf eine Gemeinschaft stolz ist. Persönlichkeiten und Kulturorte oder Flüsse und Vögel – in 2026 haben wir die Wahl zwischen „Was haben wir geschaffen?“ und „Was haben wir zu bewahren?“.

Es verbindet. Dieselben Scheine in 20 Ländern sind der greifbarste Beweis dafür, dass Europa mehr ist als eine Landkarte.

Warum ihr mitabstimmen solltet

Es kommt selten vor, dass eine europäische Entscheidung so niedrigschwellig ist: keine Wahlberechtigung nötig, keine zehn Minuten Aufwand – und Kinder dürfen mitmachen.

Genau darin liegt die Chance. Bilder provozieren bei Kindern sofort eine Meinung, und über diese Meinung kommt ihr in ein Gespräch, das sonst schnell nach Belehrung klingt. Drei Fragen, die dabei gut funktionieren:

  1. Welcher Entwurf gefällt dir am besten – und warum ausgerechnet der?
  2. Warum steht überhaupt etwas auf Geld drauf, warum nicht einfach nur eine Zahl?
  3. Wenn du selbst einen Schein gestalten dürftest: Was käme drauf?
  4. Was wäre eigentlich anders, wenn es gar keine Scheine mehr gäbe?

Danach stimmt ihr gemeinsam ab. Euer Kind hat dann etwas getan, das die meisten Erwachsenen nie getan haben: bei einer europäischen Entscheidung mitgestimmt. Und ganz nebenbei die Antwort auf die Ausgangsfrage „Warum drucken die überhaupt noch?“ selbst gefunden.

👉 Zur Umfrage der EZB · Alle zehn Entwürfe ansehen

* Quelle: Deutsche Bundesbank, Studie „Zahlungsverhalten in Deutschland 2025″, veröffentlicht im Juni 2026.

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